Unsere Definition | Arbeitsstand 26.05.2022

Kritisches Denken ist das Denken über das Denken. Es ist der reflektierte Umgang mit der Fehleranfälligkeit unseres Geistes und der Komplexität unserer Welt.

Wenn Menschen mit kritischem Denkvermögen diskutieren, geht es nicht mehr darum, die eigene Meinung durchzusetzen, sondern darum, sie verständlich zu machen, sich zu bemühen, das Gegenüber zu verstehen* und Gräben zu überwinden.

Wer kritisch denkt, gibt die Suche nach einfachen Antworten auf, trifft selbstbestimmtere Entscheidungen, frustriert weniger schnell und macht ein neues Miteinander möglich.

*Einen anderen Menschen zu verstehen, heisst nicht seiner oder ihrer Meinung zuzustimmen oder Verständnis dafür zu zeigen. Es bedeutet Erklärungen zu finden, warum eine Person anders denkt oder handelt als wir.

SKILL 1

SELBSTREGULATION

Einsicht: Wir sind mehr Körper- und Emotions-, als Vernunftswesen. Wenn wir reflektiert denken wollen, müssen wir die körperlichen Voraussetzungen schaffen.

Ich kann meinen Körper wahrnehmen und einschätzen, ob reflektiertes Denken gerade möglich ist.

Wenn mein reflektierender Verstand zum Einsatz kommen soll, kann ich meinen Körper in einen entspannten Zustand regulieren.

Ich kann zwischen Sachebene und meiner persönlichen Gefühlsebene unterscheiden & innere sowie äussere Debatten dementsprechend gestalten.

SKILL 2

INTELLEKTUELLE DEMUT

Einsicht: Unser Hirn ist ein kognitiver Geizkragen, der dafür sorgt, dass sich die meisten unserer Gedanken selbst denken.

Ich kann meinen eigenen Gedanken nachsichtig zuhören, ohne mich mit ihnen zu identifizieren.

Ich weiss, dass ich mir das meiste von dem, was ich denke, nicht selbst ausgesucht habe und bin dementsprechend offen, unbewusste Annahmen zu hinterfragen.

Ich kann vor mir selbst & anderen zugeben, wenn ich mir zu einem Thema noch keine «eigene» Meinung gebildet habe.

Ich kann meine Meinung ändern.

SKILL 3

UNSICHERHEIT AUSHALTEN

Einsicht: Wir sehnen uns nach einfachen Antworten, die es in einer komplexen Welt selten gibt. Und am liebsten haben wir Antworten, mit denen wir unser Selbstbild bestätigen können.

Ich kann die Graustufen zwischen Schwarz und Weiss aushalten und Entscheidungen unter Unsicherheit treffen.

Ich informiere mich, indem ich mich mit gegenteiligen Positionen auseinandersetze.

Ich kann zwischen Meinungen, Tatsachen, Tatsachenbehauptungen, sowie unterschiedlichem Wahrheitsgehalt unterscheiden.

Ich kann Unwissenheit zugeben.

SKILL 4

UNIVERSELLE EMPATHIE

Einsicht: Es ist bequemer pauschal vom schlechten im Menschen auszugehen, als nach individuellen Erklärungen zu suchen – vor allem bei «den anderen».

Statt vorschnell zu schubladisieren, versuche ich zu verstehen, was für ein Leben hinter einer bestimmten Meinung steckt.

Auch wenn ich für etwas kein Verständnis habe, kann ich verstehen wollen, warum ein Mensch so handelt, wie er oder sie handelt.

Ich bin in der Lage, mich von meinem persönlichen Über-zeugungen zu distanzieren, um gemeinsam mit einer anderen Person zu reflektieren.

SKILL 5

SPRACHLICHE SORGFALT

Einsicht: Unsere Wahrnehmung der Welt, wird stark von Sprache beeinflusst. Und die meisten unserer Meinungsverschiedenheiten beruhen auf sprachlichen Missverständnissen.

Ich kann unnötige Missverständnisse in Diskussionen vermeiden, indem ich klar abgrenze, worüber wir sprechen.

Ich erkenne, ob eine Meinungsverschiedenheit vorliegt, weil wir unterschiedlicher Meinung sind oder weil wir Begriffe unterschiedlich definieren.

Ich erkenne, wo mich Sprache emotional beeinflusst.

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